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Joachim Martins - Ein halbes Leben für den FCF


Datum: 11.09.2019

Wer hat kaum den Ball berührt und trotzdem nach 90 Minuten ein riesiges Laufpensum absolviert? Der «Mann in Schwarz» natürlich. Seine Aufgabe kann er nur gewissenhaft erfüllen, wenn er versucht, während des gesamten Spiels in Ballnähe zu bleiben. Eine Fehlentscheidung könnte er sich zwar leisten, denn auf dem Platz ist sein «Pfiff» Gesetz, aber seinem Ansehen würde das schaden. Wer einmal Schiedsrichter geworden ist, der will das auch bleiben: Er hat schliesslich den besten Zuschauerplatz, den man sich vorstellen kann.

Einer, der sich wie kein anderer mit den Regeln auskennt und seit Jahrzehnten Fussballspiele geleitet hat, ist Schiedsrichter Joaquim Martins vom FC Frutigen. In Portugal aufgewachsen, war er schon als kleiner Junge dem Fussball verfallen. Jede freie Minute zog es ihn zu seinen Kollegen auf die Strasse. Hier wurde mit einem runden Leder – von einem alten Mann in Handarbeit aus dem Leder von Schuhen genäht – gespielt. Gegner liessen sich nur in anderen Dörfern finden und so entstanden kleine Dorfturniere. Für ihre Idole zu sehen, scheuten die Jugendlichen als Fans keine weiten Reisewege. Seine Mannschaft war  für Joaquim sein «Benfica Lissabon». Mit einem «Blechesel» - Velo ohne Schlauch und Pneu - reiste er seinen Idolen nach. Bei schlechtem Wetter «fuhr» er den Finger aus und machte Autostopp.

In den 80-er-Jahren zog er nach Frutigen und fand nebst seiner grossen Liebe Monika schon bald den Anschluss beim FC Frutigen. Er trainierte und spielte in der 4. Liga, später bei den Senioren und Veteranen. Gerne schaute er sich Spiele des FC Frutigen an. Es störte ihn, dass niemand das Fähnlein an der Linie schwingen wollte und schritt selber zur Tat. So wurde er der erste inoffizielle Linienrichter des Vereins. Dieses Ämtli machte er so gut, dass ihn ein Zuschauer zum Schiedsrichterkurs motivierte. Am 22.9.1984 pfiff er als offizieller und ausgebildeter Schiedsrichter sein erstes Juniorenspiel. Sein Weg führte bis in die 3. Liga, in der er noch heute pfeift. So nebenbei amtete er auch als Schiedsrichterassistent in der 2. Liga an der Linie. Mit seinem Gerechtigkeitssinn, Sachverständnis, Fingerspitzengefühl und sympathischen Art setzte er sich in seinem Metier problemlos durch.

In zweieinhalb Wochen ist Joaquim Martins nun 35 Jahre als Schiedsrichter für den FC Frutigen im Einsatz. Und … er habe momentan noch nicht genug. Solange die Gesundheit mitspiele, sei mit ihm noch zu rechnen. Dass er noch so nebenbei seit über 30 Jahren das Fussballareal als Platzwart des Vereins betreut und überall hilft wo Not am Mann, erwähnt er nur am Rande. So bescheiden ist der sympathische Joaquim. Wenn es um seine Person geht, hält er sich zurück. Bei ihm kommen die anderen immer zuerst.

«Die Schiedsrichterszene hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Mit seiner Ruhe in der Hektik war Joaquim der richtige Mann für seine Aufgaben. Sicher war es nicht immer einfach, die Aggressionen so hinzunehmen. Wir danken dem «Urgestein» und grossartigen Kameraden für seine Schiedsrichtertätigkeit, aber auch für seine Arbeiten als jahrzehntelanger Platzwart. Hier schliessen wir auch seine Ehefrau Monika ein, die ihren Mann administrativ unterstützte und nach schweren Spielen zur Seite stand. Wir hoffen, dass uns Joaquim noch lange erhalten bleibt und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft», so Präsident Urs Kallen zum Jubilar.