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Chronik Kifu 2020


Datum: 19.05.2020

Chronik KIFU 2020, Kalenderwoche 2: Alle JuniorInnen-Teams starteten mit Hallentraining ins neue Jahr, Corona findet weit weg in China statt. Die Abstandsregel bedeutete für uns Fussballer: Distanz 9 Meter 15 cm beim Freistoss zwischen Ball und Mauer. Übrigens: Die 15 cm haben uns die Engländer eingebrockt, 915cm = 10 Yards. Wuhan kannte man nur aus den Nachrichten. Am 16. Februar 2020 spielten wir immer noch relativ sorgenfrei das interne Hallenturnier in der Dreifach-Halle in Frutigen vor vollen Rängen auf der Tribüne, erste Fälle in Italien wurden bekannt. Am 19.2. spielte Atalanta Bergamo im Mailänder San Siro Stadion vor 44‘000 Zuschauern gegen Valencia. Am Samstag darauf standen wir dichtgedrängt (2 cm Abstand, dafür mit Helm, Halstuch und Handschuhen ausgerüstet) an der Talstation der Engstligenbahn. Weil die Pistenverhältnisse an Metsch für unsere jüngsten JuniorInnen zu eisig waren, hatte man das FC Skirennen kurzfristig verlegt und ich erinnere mich gut, dass wir Väter und Trainer uns ein wenig über die „lange“ Wartezeit nervten. Schönes Wetter und tolle Piste entschädigten uns dafür. Wir assen gegenseitig Kartoffelchips aus familienübergreifenden Zweifel-Säcken und tranken Getränke aus gleichen Bechern und Flaschen. In Italien ging derweil die Infektionskurve steil nach oben. Und keiner von uns KIFU-TrainerInnen ahnte tatsächlich, was in den nächsten drei Monaten alles so passieren würde.

Ab Ende Februar verzichteten wir in den Trainings auf die Handshakes und führten gemäss dem gelben Plakat vom BAG neue distanzierte Begrüssungs- und Verabschiedungsformen ein. Die Meinungen innerhalb der Trainer schwankten wie in der übrigen Welt zwischen „schlimmster Virus aller Zeiten“ bis zu „eigentlich eine völlig normale Grippe“. Am 13. März fand das vorerst letzte Training der Fussballschule statt. Die BAG-Plakate waren mittlerweile rot. Der SFV-Präsident erkrankte an Covid 19. Der SFV setzte sämtliche fussballerischen Aktivitäten aus und brach in der Folge im April die Saison (ohne Challenge und Superleague) ab. In einigen Fussball-Computer-Spielen konnte man neben Messi und Ronaldo auch die Spieler Covid und Corona (Rückennummer 19) anwählen sowie den neuen Modus „Geisterspiele“ ausprobieren. Humor ist ja bekanntlich Geschmacksache. Wobei, Ironie oder Satire: Geschmacksverlust kann ein mögliches Krankheits-Symptom sein.

Aber nun wieder ernst: Seit dem 11. Mai 2020 sind wieder Mannschaftstrainings unter strengen Auflagen möglich. Die Vorgaben gemäss BAG und SFV sind jedoch sehr aufwändig. Die Vorgaben bezüglich Gruppengrössen (maximal 5er Gruppen, Personenbeschränkungen auf dem gesamten Trainingsgelände), den Distanzregeln (2 Metern), Bälle dürfen nicht in die Hände genommen werden (wie schafft man dies bei 4 bis 6jährigen Kindern?) sowie den Desinfektionsvorschriften (sämtliches benutztes Material muss nach jedem Training vom Trainer gereinigt und desinfiziert werden) lassen aus unserer Sicht einen vertretbaren Trainingsbetrieb noch nicht zu. Innerhalb der TrainerInnen sind wir nach wie vor zwischen beiden Meinungs-Polen unterwegs, eine grosse die Mehrheit ist jedoch mit dem Mittelweg den die Schweiz bisher gewählt hat zufrieden. Alle wollen wir unbedingt wieder einmal Fussball spielen und gerade die jüngeren JuniorInnen wollen wieder ohne Einschränkungen „mätschlen“ können. Sinnbildlich für das J+S Motto Lachen/Lernen/Leisten. Alle anderen Trainingsformen machen den Vollblut-Fussballern nur halb soviel Spass. Als TrainerInnen wollen wir Vorbilder für die Kinder und Jugendlichen sein und sind es unserer Glaubwürdigkeit schuldig, die zur Zeit geltenden Bestimmungen einzuhalten und nicht nur „halbpatzig“ zu befolgen. Ist doch auch ein gutes Training, um beispielsweise mit schwierigen Schiedsrichterentscheidungen umgehen zu können!

Aktuell sind wir nun an der Planung der neuen Saison und werden die rund 30 Trainer und 250 Kinder wieder neu zusammen stellen. Wir warten zudem auf die nächsten Informationen des Bundesrates vom 27. Mai 2020. Danach wird der Vorstand zusammen mit den Kinderfussball-Verantwortlichen und den Trainern entscheiden, wie und wann wir starten werden. Wenn man die saftig grünen, unberührten Fussballplätze so anschaut, dann wird man richtig „giggerig“ endlich wieder auf den Platz zum kicken gehen zu können. Wir freuen uns jetzt schon auf dieses „erste Mal“ und werden es mit Geduld und Vernunft dann dementsprechend geniessen!

Urs Brügger