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Corona und der Fussball


Datum: 25.05.2020

Wer hätte das gedacht, dass das Corona-Virus unser aller Leben von heute auf morgen vollumfänglich und auf nicht bekannte Zeit total verändern würde. Alle sind in irgendeiner Form davon betroffen. Plötzlich sind die meistgebrauchten Begriffe «Home-Office», «Home-Schooling» und «Lock-down». Die Bewegungsfreiheit wurde durch Vorgaben des vorbildlich auftretenden Bundesrats und deren Experten stark eingeschränkt, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Die Massnahmen scheinen zu wirken – Vorsicht und das Einhalten der gesetzlichen Empfehlungen des Bundesrats sind jedoch unabdingbar. Der Lockdown betrifft in starker Weise nebst dem Spitzensport auch den Breitensport. Viele Vereine können durch das Absagen von Vereinsanlässen nicht mehr genügend Einnahmen generieren und müssen auf Reserven zurückgreifen, sofern diese vorhanden sind.

Von Hundert auf Null
Aber auch der Spielbetrieb leidet. Im Schweizer Fussball sollte um diese Zeit eigentlich Hochbetrieb sein. Um die 8000 Partien hätten bis Ende Rückrunde schweizweit gespielt werden sollen. Nun ist es seit März gespenstisch ruhig, nur der Platzwart drehte hin und wieder seine Runden. 300‘000 lizenzierte Fussballerinnen und Fussballer durften weder spielen noch trainieren. Die Sportplätze wurden geschlossen.

Treue, Solidarität und Engagement
Wie alle anderen Vereine ist auch der Fussballklub Frutigen von der Corona-Krise stark betroffen. Der Vorstand hat sich von Beginn weg an die Vorgaben des Bundesrats und seiner Experten gehalten. Umgehend wurden sämtliche Trainings und der Spielbetrieb komplett eingestellt. Auch das im August geplante Juniorentrainingslager in Willisau wurde vorzeitig annuliert. Bereits mussten auch diverse gewinnbringende Anlässe abgesagt werden. So unter anderem die Turnierwoche mit Firmen-, Grümpel- und Schülerturnier. Der Sponsorenlauf wurde vorerst auf den Herbst verschoben. Wegen dem fehlenden Spiel- und Trainingsbetrieb können keine Einnahmen im FC-Klubhaus generiert werden. Trotzdem werden diese Ausfälle den FC Frutigen nicht in die Knie zwingen, wenn die Fallzahlen des Corona-Virus nicht wieder nach oben gehen. Für einen Lichtblick sorgte die vor kurzer Zeit Absichtserklärung des Eidg. Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), den Vereinen die J+S-Gelder trotz fehlender Aktivitäten auszuzahlen und diese so zu unterstützen. Als in der Region stark vernetzter Verein verfügt der FC Frutigen über viele treue Sponsoren, Gönner und solidarische Klubmitglieder, auf die er nicht nur in dieser schweren Zeit angewiesen ist. Zudem ist er ehrenamtlich organisiert und zahlt keine Spielerlöhne. Auch geniesst der Verein für seine vorbildliche Kinder- und Jugendarbeit (Soziales Engagement) mit einer der grössten Juniorenbewegung in der Region einen ausgezeichneten Ruf. Dies werden nicht zu unterschätzen-de Faktoren zur Bewältigung der Krise sein.

Lockerung unter Auflagen
Unterdessen hat der Bundesrat die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus gelockert. Ab 11. Mai 2020 sind – unter Voraussetzungen wie Schutzkonzepte und Hygienevorschriften – wieder Trainings möglich. Im Amateursport gelten hier folgende Einschränkungen:  Die Sportaktivität darf nur in Kleingruppen mit maximal 5 Personen, ohne Körperkontakt und unter Einhaltung der Hygiene- und Distanzregeln erfolgen. Grundsätzlich sind die Lockerungen nur erlaubt, wenn der jeweilige Sportverband ein detailliertes Schutzkonzept vorlegt. Weiterhin nicht erlaubt sind Wettkämpfe.

Beim FC Frutigen wird der Ball über den künftigen Trainingsbetrieb flach gehalten. Das vorliegende Schutzkonzept des Schweizerischen Fussballverbandes gilt als Grundlage für ein detailliertes vereinseigenes Konzept. Gespannt wartet der Verein auf die Sitzung des Bundesrates vom 27. Mai, in der über weitere Lockerungen in diversen Bereichen entschieden werden soll. Dies könnte dazu führen, dass Trainings mit weniger Auflagen abgehalten werden könnten und so eher durchführbar wären. Anfangs Juni soll dann an Spielkommissions- und Kinderfussballsitzungen das weitere Vorgehen im Verein festgelegt werden.  Der FC Frutigen ist sich bewusst, dass sich alle auf dünnem Eis bewegen. Die Lockerungen könnten eine zweite Welle der Ansteckungen herbeiführen, was alle bisherigen Anstrengungen praktisch zunichtemachen könnten. Deshalb appelliert er an alle Klubmitglieder, sich weiter an die Regelungen des Bundesrats zu halten.

Wie hat die erste Mannschaft den Lockdown erlebt?
Die erste Mannschaft des FC Frutigen (3. Liga) hatte nach Abschluss der Vorrunde das Messer am Hals. Als schlechtplatziertes Team aller Viertletzten befand es sich auf einem Abstiegsplatz. Grund genug, um sich in der Winterpause so richtig ins Zeug zu legen. Das Trainingslager im März konnte noch über die Bühne gebracht werden. Hier zeigte sich, dass die Moral und körperliche Verfassung jedes Einzelnen auch stimmten. Trainer Gerhard Fuchs war zurecht guten Mutes: «Ich musste vor dem Rückrundenstart keine Angst haben. Der Trainingsbesuch, die Moral und der Einsatz der Jungs stimmten mich sehr zuversichtlich. Das Trainingslager in der Türkei zeigte mir, dass das Team in bester Verfassung war.  Alle waren motiviert und überzeugt, die Herausforderung Ligaerhalt zu schaffen». Nach dem Corona-Lockout fanden keine Trainings mehr statt. «Erst letzte Woche habe ich meine Spieler im Team-Chat motiviert, sich eigenständig wieder in Form zu bringen. Die Aktivitäten finden auf freiwilliger Basis statt. Sie sollen möglichst polysportiv sein. Im Chat können alle den anderen Spielerkollegen ihre absolvierten Trainingseinheiten mitteilen und per Foto oder Videos dokumentieren». So ist Fuchs überzeugt, so für eine zusätzliche Teammotivation zu sorgen. Er schätzt zudem die vorbildliche Führung des 4. Liga-Teams durch deren Trainerin Silvia Stoller. Hier kann er jederzeit auf topvorbereitete Spieler für Einsätze in der 3. Liga zurückgreifen. Auch diese Spieler sind mittels besonderer Methode im Aufbau: Trainerin Stoller habe mit einer Akteurin extra Videos mit Trainingssequenzen gedreht, welche den Spielern zugänglich gemacht wurden.  Zurzeit finden zwecks Kaderbildung für die nächste Saison Spielergespräche statt.  Sofern es die gesetzlichen Corona-Vorgaben erlauben und der Saisonstart wie gewohnt im August stattfindet, wird das Training offiziell am 11. Juni unter Einhaltung der Schutzbestimmungen aufgenommen. Trainer Fuchs spürt bereits wieder ein Kribbeln im Bauch: «Ich freue mich darauf, meine topmotivierten Spieler auf dem Platz wieder zu sehen. Die persönlichen Kontakte mit ihnen aber auch allen anderen FCF-Leuten auf dem Fussballplatz fehlen mir».

Schwierige Situation im Kinderfussball
Am 13. März fand nach Bekanntwerden der Pandemie das vorerst letzte Training der Jüngsten statt. Die Meinungen der Trainer schwankten wie in der übrigen Welt zwischen «schlimmster Virus aller Zeiten» bis zu «eigentlich eine völlig normale Grippe». Obschon ab 11. Mai Mannschaftstrainings unter strengen Auflagen möglich sind, verzichtete der FC Frutigen auch im Kinderfussball auf das Aufnehmen der Trainings. Die Vorgaben wären kaum einhaltbar gewesen: Gruppengrössen (maximal 5er Gruppen, Personenbeschränkungen auf dem gesamten Trainingsgelände), Distanzregeln (2 Meter), Bälle dürfen nicht in die Hände genommen werden (wie schafft man dies bei 4 – 6jährigen Kindern?) sowie den Desinfektionsvorschriften (sämtliches benutztes Material muss nach jedem Training vom Trainer gereinigt und desinfiziert werden) liessen aus Sicht der Verantwortlichen einen vertretbaren Trainingsbetrieb nicht zu. «Innerhalb der TrainerInnen sind wir nach wie vor zwischen zwei Meinungen unterwegs. Eine deutliche Mehrheit ist jedoch mit dem Mittelweg, den die Schweiz bisher gewählt hat, zufrieden» stellt Urs Brügger als Leiter des Kinderfussballs klar. Wichtig sei, dass alle bald wieder einmal Fussballspielen können, ohne hier noch Auflagen einhalten zu müssen. Zurzeit plant er mit 30 Trainern und 250 Kindern bereits die neue Saison. Der Entscheid über wie und wann es wieder weitergeht, wird nach dem 27. Mai getroffen. Eine Vorfreude ist bei ihm deutlich zu spüren: «Wenn man die saftig grünen, unberührten Fussballplätze so anschaut, ist man richtig angetan, endlich wieder auf den Platz zum Kicken gehen zu können. Wir freuen uns jetzt schon auf dieses erste Mal und werden es mit Geduld und Vernunft dann dementsprechend geniessen».

Toni Stoller, Pressechef FCF