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Silvia Stoller im Interview


Datum: 26.06.2017

Unsere Cheftrainerin Frauen 2. Liga , Silvia Stoller, verlässt uns wegen längerem Auslandaufenthalt. Im untenstehenden Interview gibt sie auf Fragen ausführliche Antworten:

     

 

Wie lange hast du beim FC Frutigen gewirkt, in welchen Funktionen?

Im Winter 2012/2013 bin ich zum FC Frutigen zurückgekehrt. Zuerst durfte ich an Aschi Baumanns Seite als Assistentin starten, bevor ich dann im Sommer 2013 die Frauen 2. Liga als Headcoach übernahm.

Was sind deine Beweggründe deines Rücktritts? Deine aktuellen Pläne?

Mein Partnerin Andrea Wälchli und ich werden ab Mitte August für längere Zeit nach Kanada reisen.
Dieser Entscheid ist vergangenen Sommer gereift und hat grundsätzlich nichts damit zu tun, dass uns der Fussball „verleidet“ ist. Es geht „schlicht“ darum uns einerseits einen Traum zu erfüllen, andererseits auch darum neue Erfahrungen, Werte und Eindrücke für unsere Zukunft zu gewinnen.
Der Rücktritt als Trainerin der Frauen 2. Liga war dann ein schmerzhafter aber auch logischer Entscheid.

Könntest du dir vorstellen, im Ausland ein Traineramt zu übernehmen?

Diese Überlegungen hat es tatsächlich schon gegeben, sind aber (im Moment) weit entfernt. Ich werde mir aber ganz bestimmt einen Eindruck über den Frauenfussball in Kanada schaffen und etwas kanadische Fussballluft schnuppern.

Wie lange soll dein Auslandaufenthalt dauern?

Wir planen von Mitte August dieses Jahr bis Juni nächstes Jahr in Kanada zu weilen.

Mit was für Gefühlen verlässt du den FC Frutigen und insbesondere dein Team?

Dieser „Abschied“ ist mit grossen Emotionen verbunden.
Der FC Frutigen ist mein Stammverein – hier habe ich als 5-jähriges Mädchen das „Schutten“ kennen und lieben gelernt. Gleichzeitig habe ich hier auch die Chance erhalten, meine Leidenschaft und Begeisterung für das Traineramt zu leben.
Und das Team, die Frauen – meine Frauen – sind mir extrem ans Herz gewachsen. Mittlerweile kennen wir uns sehr gut und schätzen unsere Ecken und Kanten. Ehrlich gesagt, kann ich es im Moment noch nicht wirklich glauben, dass diese Zeit vorbei ist. Deshalb nennen wir es mal nicht Abschied, sondern „tschüss und bis gli…“

Was waren deine Höhe-, ev. Tiefpunkte in deinem Traineramt?

Höhepunkte gab es einige. Zum Teil – für aussenstehende – ganz „Kleine“: Das sind zum Beispiel im Training immer wieder geübte Situationen, welche wir dann im Spiel umsetzen konnten. Oder Spielerinnen, die „plötzlich“ den „Knüpel“ aufgemacht haben und zu Leistungsträgerinnen geworden sind. Auch Gesten und Worte von Spielerinnen persönlich waren immer wieder ein Highlight (was haben wir gelacht…). Nicht möglich, all meine Höhepunkte hier aufzuzählen.
Rein auf den Wettbewerb bezogen, gehörte der Sieg gegen den FC Ostermundigen (damals 1. Liga-Absteiger) in der ersten Saison dazu. Hier waren wir als Aufsteiger klar Aussenseiterinnen und konnten – mit einem unglaublichen Teamwillen ein 2:1-Rückstand in einen souveränen 2:4-Sieg umwandeln.
Selbstverständlich gehört der Cupsieg vom letzten Jahr ganz weit nach oben. Die Spielerinnen sind in dieser Situation – auf dem Platz – über sich hinausgewachsen – was für ein Erlebnis!
Tiefpunkte gab es (zum Glück) deutlich weniger. Dazu gehört aber sicherlich die kürzliche Niederlage im Cuphalbfinal gegen den FC Lerchenfeld. Ich habe unser Team selten so ängstlich und passiv erlebt. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass uns diese Niederlage viel gelehrt hat.

Was gibst du dem FC Frutigen insbesondere auch deinem ehemaligen Frauenteam mit auf den Weg?

Vor allem wünsche ich allen beste Gesundheit und ein frohes Gemüt. J
Meinen Frauen möchte ich noch sooo viel mit auf den Weg geben… Besonders am Herzen liegt mir jedoch, dass sich jede noch etwas mehr für sich selbst, Ihre Werte und Ihre Stärken einsetzt. Dass wir den gegenseitigen Respekt behalten, uns alle Freuden gönnen und uns in schwierigen Situationen unterstützen.
Ich wünsche mir, dass wir unsere Situation mehr schätzen. Fussball zu spielen ist ein Privileg. Es ist keine Selbstverständlichkeit unter solch guten Bedingungen, mit so grosser Unterstützung und solch tollen Bedingungen sein Hobby ausüben zu dürfen. „Häbet no meh Früd a däm woner gärn machet!“

Wie siehst du die zukünftige Entwicklung im Frauenfussball allgemein?

Wenn ich beim „Grossen“ – also national – anfange, hoffe ich sehr darauf, dass die Verantwortlichen aus dem Fall „FC Neunkirch“ lernen. Soll das Geld nicht auch noch den Frauenfussball „kaputt“ machen.
Im Weiteren bin ich skeptisch gegenüber der Entwicklung im regionalen Fussball. Hier wird – für mich persönlich – das Augenmerk falsch gelegt und die Juniorinnenförderung zu stark vernachlässigt. Die Freude soll im Vordergrund stehen – nur so sind positive Resultate möglich.
Im Besonderen beim FC Frutigen bin ich gespannt auf die weitere Entwicklung. Es ist erfreulich wie konstruktiv und nachhaltig im Nachwuchsbereich gearbeitet wird. Im Aktivbereich wird es bestimmt in den nächsten 1-2 Saison einen „kleinen“ Umbruch geben, welcher Geduld und sicherlich auch ein gewisses Verständnis erfordern wird. Diese Entwicklung wird den Verein jedoch stärken und voranbringen. Wir werden ganz bestimmt – auch weiterhin - viel Freude an den Frauen des FC Frutigen haben.

Kannst du dir vorstellen, beim FC Frutigen nach deiner Rückkehr wieder in irgendeiner Form einzusteigen?

Absolut. Der FC Frutigen ist und bleibt „mein“ Verein – das ist eine Herzensangelegenheit. Wann und in welcher Form, lasse ich jedoch völlig offen.

...oder, was sind deine (Wunsch-)Ziele betr. Trainertätigkeit (FVBJ, SFV, international)?

Ganz bestimmt werde ich wieder an der Linie stehen. Das ist es was ich unglaublich gerne mache und – glaube ich – auch ziemlich gut kann. Ich hatte nun die Möglichkeit bei zwei Vereinen im Aktivfussball Trainerluft zu „schnuppern“ – und ich habe noch lange nicht genug davon!
Entsprechend gibt es Wünsche und Ziele – die bleiben jedoch noch bei mir. Nur Eines: „Alles kann – Nichts muss“. J

Was ich noch sagen möchte:

Allen in und um den FC Frutigen danke ich von ganzem Herzen für die Unterstützung, die Wertschätzung und auch das Vertrauen in meine Person. Ich fühlte mich von Beginn weg akzeptiert und ernst genommen. Dies hat meine „Arbeit“ erleichtert und uns allen viele schöne und uvnergessliche Momente gebracht. MERCI VIILMAL!

Interview: Toni Stoller

Silvia, der Vorstand und alle FCF-Mitglieder danken dir für deinen grossen Einsatz in unserer Frauenbewegung. Wir wünschen dir und deiner Partnerin einen schönen Auslandaufenthalt und hoffen, euch beide früher oder später wieder in irgendeiner Form in unseren Reihen zu haben! Alles Gute und bis bald.